Vergessene und aussterbende Apfelsorten: Fruchtige Vielfalt

Viele Gartenbesitzer sind stolze Besitzer eines Apfelbaums – häufig Golden Delicious, Jonagold oder Elstar. Aber wussten Sie, dass auch viele alte, aussterbende Apfelsorten bestens für die eigene Zucht geeignet sind? Damit tragen Sie nicht nur zur Artenvielfalt und zur kulinarischen Experimentierfreude bei, die Früchte der nahezu vergessenen Apfelsorten haben auch einige Vorzüge.

aussterbende Apfelsorten Streuobstwiese

Traditionell werden alte Apfelsorten auf Streuobstwiesen angepflanzt. (c) istock.com/Rike_

Streuobstwiesen: Schwindende Heimat der alten Apfelsorten

Äpfel sind ein unglaublich vielfältiges Obst. Weder im heimischen Garten noch im gängigen Supermarkt lässt sich diese Vielfalt so recht widerspiegeln, denn häufig beschränkt sich hier die Auswahl auf wenige Sorten. Viele Baumschulen führen dagegen 40 bis 50 verschiedene Varianten. Selbst das jedoch spiegelt den Variantenreichtum kaum wieder – vor allem dann, wenn man eine Weile zurückblickt: Noch zu Bismarcks Zeiten wurden hierzulande über 2.000 Apfelsorten verwendet.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum viele alte Apfelsorten vom Aussterben bedroht sind. Einer ist aber sicherlich die Tatsache, dass es nur noch wenige Streuobstwiesen gibt, auf denen die Sorten traditionell gedeihen. Für den modernen Obstanbau ist diese Art von Obstwiesen, auf denen meist nur wenige Bäume stehen, nicht effizient genug. Entsprechend scheint unausweichlich, dass alte Apfelsorten wie der Lausitzer Nelkenapfel, Gravensteiner, Berlepsch oder die Landsberger Renette verschwinden.

Aussterbende Apfelsorten: Lecker und gesund – sogar für Allergiker

aussterbende Apfelsorten Allergiker

Auch Allergiker dürfen bei vielen aussterbenden Apfelsorten zugreifen. (c) istock.com/Eva Katalin Kondoros

Dabei lohnt es sich unbedingt, aussterbende Apfelsorten zu erhalten – schon aus gesundheitlichen Gründen. Denn die Früchte haben häufig einen noch höheren Vitamin-C-Gehalt als neuere Züchtungen. Auch ihr Geschmack ist ein echtes Erlebnis: Ihr Fruchtfleisch ist sehr aromatisch, gleichzeitig angenehm säuerlich. Der Grund: Alte Apfelsorten haben einen besonders hohen Polyphenolgehalt. Das hat auch einen Nebeneffekt, der für Allergiker interessant ist: Das Polyphenol sorgt dafür, dass allergene Stoffe im Obst ihre Wirkung verlieren. Zudem sind die Pflanzen alter Apfelsorten häufig besonders krankheitsresistent und langlebig.

Die Renaissance der alten Apfelsorten

Sowohl engagierte Privatleute als auch einige Obstbauern setzen beim Anbau in letzter Zeit wieder verstärkt auf die altbewährten Früchte. Das Obstmuseum Pomarium Anglicum von Meinolf Hammerschmidt ist nur ein Beispiel. Der Anbau ist durchaus erfolgsversprechend, denn viele Apfelbäume mit historischen Sorten eignen sich hervorragend für die hiesigen Breitengerade. Die Biesterfelder Renette gedeiht zum Beispiel besonders gut in Norddeutschland. Auch Sorten wie der Altländer Pfannkuchenapfel, der Albrechtapfel oder der Danziger Kantapfel sind nicht nur schmackhaft, sondern auch robust und widerstandsfähig – und somit eine perfekte Ergänzung für jeden Obstgarten.

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