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Der Naturgarten: Viel Raum für Mensch, Flora und Fauna

Träumen Sie für Ihren Garten von einer romantischen Blumenwiese, wo es eifrig summt, oder von einem wilden Eck, wo es kreucht und fleucht? Mit diesen Wünschen sind Sie nicht allein. Naturgärten, in denen heimische Flora und Fauna selbstverständlich einen Lebensraum finden, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Im Frühjahr ist die beste Zeit, mit der Umgestaltung des Gartens zu beginnen. Sähen Sie einfach eine Blumeninsel aus, wenn der Platz keine Blumenwiese nicht zulässt. Die Wildbienen, Wespen und Hummeln wird es gleichermaßen freuen.

Die Idee eines „Naturnahen Gartens“, „Ökogartens“ oder „Naturgarten“ ist alt. Schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird in Deutschland über einen eigenen, aus dem englischen Gartenstil abgeleiteten „Naturgarten“ diskutiert. An der Wende zum 20. Jahrhundert bekam das Konzept des Naturgartens mit der Entstehung von Natur- und Heimatschutzvereinen in Deutschland neuen Auftrieb. Jetzt ging es, teilweise schon völkisch aufgeladen, um das Pflanzen von einheimischen Sorten und Arten in „Naturschutzgebieten“ und  „Naturgärten“ zu vorwiegend pädagogischen Zwecken. Mit dem Aufkommen des biologischen und biodynamischen Landbau gelangte der ökologische Gedanke beim Naturgarten in den Vordergrund. Dieser steht im heutigen Verständnis im Mittelpunkt und erfreut viele Gartenbesitzer, wenn sie auf ihre Blumenwiese oder ihr wildes Eck schauen.

Was zeichnet einen Naturgarten aus?

Naturgarten

Ein Naturgarten ist eine Wohlfühloase für Flora und Fauna – und füe Menschen. (©istockphoto.com_enviromantic)

Ein Naturgarten ist ein naturnaher Lebensraum für Menschen, wildlebende Tiere und Pflanzen. Um  eine möglichst große Sorten- und Artenvielfalt in den Garten einzuladen, werden alle Teile eines Gartens einbezogen – auch Wege, Mauern, Zäune oder Altholz.

Ein Naturgarten wird den Ansprüchen der Pflanzen an Klima und Bodenbeschaffenheit gerecht. So gedeihen die Pflanzen nicht nur besonders gut, Sie sparen sich auch Gießen und Düngen.

Welche Bäume, Sträucher, Stauden oder Blumen kann ich anpflanzen?

Die Sorten- und Artenvielfalt einheimischer Wildpflanzen ist so groß, dass Ihrer Fantasie kaum Grenzen gesetzt sind. Beziehen Sie Pflanzen und das Saatgut möglichst regional und achten Sie auf eine ökologische Herkunft. Vermeiden Sie möglichst gentechnisch manipulierte Pflanzenarten und Saatgut, um das ökologische Gleichgewicht in Ihrem Garten von Anfang an auf einen guten Weg zu bringen. In einem Naturgarten sollten das ganze Jahr über Pflanzen wachsen, die einen besonders hohen Nutzwert für die heimische Tierwelt haben – als Futter, aber auch als Rückzugsort oder Versteck.

Welche Elemente gehören zu einem Naturgarten?

Eine Wildstrauchhecke, eine Blumenwiese, ein Wildes Eck, ein Gartenteich, ein Stapel aus Totholz und Nisthilfen sind klassische Elemente eines naturnahen Gartens. Überlegen Sie sich bei der Gestaltung oder Umgestaltung des Gartens, welche Elemente Sie integrieren möchten. Wenn der Wunsch nach einer Blumenwiese mit 60 bis 80 Pflanzenarten aus Platzgründen – oder Spielplatzgründen – nicht umzusetzen ist, bietet eine Blumeninsel Wildbienen und anderen Insekten immer noch ein schönes Ausflugsziel. Auch ein Wildes Eck, also ein kleiner Bereich, der nicht regelmäßig gepflegt wird und sich frei entwickeln darf, findet sich in den meisten Gärten. Hier können sich Schmetterlinge an Brennnesseln satt essen und Spinnen, Kröten und Laubkäfer verstecken. In der kalten Jahreszeit bezieht vielleicht sogar ein Igel hier Winterquartier.

Welche Materialien darf ich in einem Naturgarten verwenden?

Ein naturnaher Garten wird möglichst mit natürlichen Baustoffen gestaltet, um das ökologische Gleichgewicht im Garten zu fördern. Wenn Sie einen Gartenteich anlegen, sollten Sie für die Abdichtung möglichst anstatt Teichfolie Lehm und Ton verwenden. Mauern werden im Naturgarten als Trockenmauern angelegt, das heißt, es wird auf Mörtel verzichtet. Die Steine liegen „trocken“ aufeinander und bieten Tieren wie Wiesel, Blindschleiche, Hummel, Wildbiene und Kröte viele Versteckmöglichkeiten. Grundsätzlich sollten Sie versuchen, bei der Gartengestaltung Natursteine einzusetzen und möglichst viele Materialien wiederverwenden.

Wie viel Arbeit macht ein Naturgarten?

Ein Naturgarten macht sehr viel weniger Arbeit als ein anderer Garten. Im Unterscheid zu einer immergrünen Hecke braucht eine Wildstrauchhecke nur alle zwei Jahre, wenn überhaupt einen Schnitt. In der Regel sind die Pflanzenarten in einem Naturgarten auch so gewählt, dass Düngen, aber auch Gießen entfällt. Nur bei außergewöhnlich trockenen Wetterlagen sollte mit Regenwasser gegossen werden. Auch das Unkrautjäten hält sich in Grenzen – im Wilden Ecke entfällt es ganz. In einem Naturgarten überlassen Sie das Wachsen und Gedeihen der Flora und Fauna weitestgehend der Natur. Sie werden erstaunt sein, mit welcher Pracht Ihr Garten Sie jedes Jahr aufs Neue überraschen wird!

Schmetterlingsraupe und Brennnessel

Für Schmetterlingsraupen sind die eigensinnigen Brennnesseln ein Gaumenschmaus. (©istockphoto.com_HansJoachim)

Wieso sollte ich einen Naturgarten anlegen?

Mit einem Naturgarten leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Die Brennnessel zum Beispiel hat nur wenige Fürsprecher unter traditionellen Gartenfreunden. In Gärten ist sie daher kaum anzutreffen. Für Raupen und Schmetterlinge ist die eigensinnige Pflanze dagegen essenziell. Distelfalter, Brauner Bär und Co ernähren sich bevorzugt von der Brennnessel. Lassen Sie Brennnessel in Ihrem Naturgarten gedeihen, werden Sie bald Schmetterlinge in Ihren Garten bewundern können.

Ein Naturgarten braucht zwar etwas Zeit, bis er sich in aller Pracht entfalten kann. Dafür überrascht er Sie jedes Jahr mit einer neuen, anders vielgestaltigen Naturschau. Ein Naturgarten kann eine aufregende Entdeckungsreise in den Lebensraum der heimischen Flora und ihrer Zusammenhänge sein. Wer, wenn nicht jemand mit einem Naturgarten, hat das schon vor der eigenen Haustür?

 

 

Vergessene und aussterbende Apfelsorten: Fruchtige Vielfalt

Viele Gartenbesitzer sind stolze Besitzer eines Apfelbaums – häufig Golden Delicious, Jonagold oder Elstar. Aber wussten Sie, dass auch viele alte, aussterbende Apfelsorten bestens für die eigene Zucht geeignet sind? Damit tragen Sie nicht nur zur Artenvielfalt und zur kulinarischen Experimentierfreude bei, die Früchte der nahezu vergessenen Apfelsorten haben auch einige Vorzüge.

aussterbende Apfelsorten Streuobstwiese

Traditionell werden alte Apfelsorten auf Streuobstwiesen angepflanzt. (c) istock.com/Rike_

Streuobstwiesen: Schwindende Heimat der alten Apfelsorten

Äpfel sind ein unglaublich vielfältiges Obst. Weder im heimischen Garten noch im gängigen Supermarkt lässt sich diese Vielfalt so recht widerspiegeln, denn häufig beschränkt sich hier die Auswahl auf wenige Sorten. Viele Baumschulen führen dagegen 40 bis 50 verschiedene Varianten. Selbst das jedoch spiegelt den Variantenreichtum kaum wieder – vor allem dann, wenn man eine Weile zurückblickt: Noch zu Bismarcks Zeiten wurden hierzulande über 2.000 Apfelsorten verwendet.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum viele alte Apfelsorten vom Aussterben bedroht sind. Einer ist aber sicherlich die Tatsache, dass es nur noch wenige Streuobstwiesen gibt, auf denen die Sorten traditionell gedeihen. Für den modernen Obstanbau ist diese Art von Obstwiesen, auf denen meist nur wenige Bäume stehen, nicht effizient genug. Entsprechend scheint unausweichlich, dass alte Apfelsorten wie der Lausitzer Nelkenapfel, Gravensteiner, Berlepsch oder die Landsberger Renette verschwinden.

Aussterbende Apfelsorten: Lecker und gesund – sogar für Allergiker

aussterbende Apfelsorten Allergiker

Auch Allergiker dürfen bei vielen aussterbenden Apfelsorten zugreifen. (c) istock.com/Eva Katalin Kondoros

Dabei lohnt es sich unbedingt, aussterbende Apfelsorten zu erhalten – schon aus gesundheitlichen Gründen. Denn die Früchte haben häufig einen noch höheren Vitamin-C-Gehalt als neuere Züchtungen. Auch ihr Geschmack ist ein echtes Erlebnis: Ihr Fruchtfleisch ist sehr aromatisch, gleichzeitig angenehm säuerlich. Der Grund: Alte Apfelsorten haben einen besonders hohen Polyphenolgehalt. Das hat auch einen Nebeneffekt, der für Allergiker interessant ist: Das Polyphenol sorgt dafür, dass allergene Stoffe im Obst ihre Wirkung verlieren. Zudem sind die Pflanzen alter Apfelsorten häufig besonders krankheitsresistent und langlebig.

Die Renaissance der alten Apfelsorten

Sowohl engagierte Privatleute als auch einige Obstbauern setzen beim Anbau in letzter Zeit wieder verstärkt auf die altbewährten Früchte. Das Obstmuseum Pomarium Anglicum von Meinolf Hammerschmidt ist nur ein Beispiel. Der Anbau ist durchaus erfolgsversprechend, denn viele Apfelbäume mit historischen Sorten eignen sich hervorragend für die hiesigen Breitengerade. Die Biesterfelder Renette gedeiht zum Beispiel besonders gut in Norddeutschland. Auch Sorten wie der Altländer Pfannkuchenapfel, der Albrechtapfel oder der Danziger Kantapfel sind nicht nur schmackhaft, sondern auch robust und widerstandsfähig – und somit eine perfekte Ergänzung für jeden Obstgarten.