Fachwerkhaus

Ein Fachwerkhaus nach dem Anderen: Marktplätze ganz alter deutscher Städte sehen genauso aus.
Fachwerkhaus an Fachwerkhaus auf den Marktplätzen alter Städte ©gettyimages/iStockphoto/

Das Fachwerkhaus: Eine jahrhundertelange Geschichte

Urig, gemütlich und beständig – drei Begriffe, die das Fachwerkhaus perfekt umschreiben. Seit Jahrhunderten zaubern sie Städten ein geschichtsträchtiges Gesicht und bleiben durch ihren individuellen Charme im Gedächtnis. Errichtet durch alte Handwerkskunst und umgeben von einem Naturgarten – so stellt man sich ein Fachwerkhaus damals vor. Doch wo sind die Wurzeln? Und was macht die Bauweise dieses Fachwerks aus?

Die Wurzeln des Fachwerkhauses

Hier sieht man ein Fachwerkhaus im Überblick: Verschiedene Formen und Höhen kann es haben.

Das Fachwerkhaus: Ein Überblick über verschiedene Formen des historischen Gebäudes ©gettyimages/iStockphoto/ Bienchen-s

  • Fünftes bis sechstes Jahrhundert

Die Vorläufer des Fachwerkhauses in Deutschland sind die sogenannten Pfahl- und Pfostenbauten aus dem fünften oder sechsten Jahrhundert. Da die Pfosten aber anfällig für Feuchtigkeit waren und zu schnell in der Erde verrotteten, wurde seit dem Mittelalter eine neue Fachwerktechnik genutzt.

  • 13. bis 16. Jahrhundert

Es war sozusagen ein System der Gerüstbauweise, das sogenannte Holzskelett mit Ausfachungen. Diese Bauweise wurde mehr und mehr ausgefeilt und erlebte im 13. bis 16. Jahrhundert seine Blüte. Teilweise wurden herrschaftliche Häuser mit bis zu acht Stockwerken gebaut (Patrizierhäuser). Gegen Ende dieser Zeit wurde das Erdgeschoss meist gemauert – so blieb die Holzkonstruktion vor Feuchtigkeit geschützt.

  • 17. bis 19. Jahrhundert

Ebenso stieg im 17. Bis 19. Jahrhundert die Nachfrage nach schönen, aufwendig gearbeiteten Schmuckelementen, die mit Schnitzereien oder Inschriften versehen waren. Je nach Region variierten die Schmuckelemente, Farben der Gefache und auch Anzahl der Balken. In dieser Zeit nahm die Beliebtheit des Fachwerkhauses allerdings rapide ab: Holzknappheit und das Interesse an anderen, effektiveren Materialien taten ein Übriges.

Übrigens: Die historischen Fachwerkhäuser, so wie wir sie heute noch kennen, sind auch unter dem Namen Schweizer Riegelhäuser bekannt. Doch das Fachwerkhaus ist nicht nur in Deutschland zu Hause – fast überall auf der ganzen Welt wird man fündig, sei es in anderen Ländern Europas, Brasilien oder in den USA.

Das Fachwerkhaus: Bauweise und Konstruktion

Das Grundgerüst eines Fachwerkhauses besteht aus Holz. Dabei beschränkten sich die Grundbaustoffe zu Beginn auf Lehm, Holz und Stroh. Das Fundament bilden die sogenannten Schwellen. Darauf werden die Ständer befestigt, die die ganze Konstruktion aus Balken tragen. Darüber werden wiederum Schwellen gesetzt, die auch das obere Stockwerk tragen. Danach folgen wieder Schwellen, die zumeist das Dach des Fachwerks tragen. Schon früh dürfte deswegen auch das Thema Dachdämmung wichtig gewesen sein.

Um die Konstruktion noch widerstandsfähiger und stabiler zu gestalten, werden die Schwellen mit Querbalken (Riegel) versehen. Diese bilden dann die Gefache. Zu guter Letzt kräftigen diagonale Balken zwischen den Riegeln (Bänder) und zwischen den Schwellen (Streben) die Konstruktion noch zusätzlich. Gefüllt und verputzt werden die Gefache mit Ziegelsteinen (Norddeutschland), Holzbohlen (Schwarzwald) und Lehm und Stroh (Ost- und Süddeutschland). In dieser Dokumentation des WDR wird gezeigt, wie ein Verfechter des Fachwerkbaus ein Fachwerkhaus neu aufbaut.

Wichtig war allerdings, dass das Ganze schnell ging. Baute man ein neues Fachwerkhaus, so lag es wahrscheinlich daran, dass das alte Haus abgebrannt war oder anderswie in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Ein Fachwerkhaus nach dem Anderen: Marktplätze ganz alter deutscher Städte sehen genauso aus.

Fachwerkhaus an Fachwerkhaus auf den Marktplätzen alter Städte ©gettyimages/iStockphoto/serts

Ein Fachwerkhaus zum Erleben

Lust auf Fachwerkhäuser bekommen? Immer wieder gibt es Freilichtmuseen oder Bauernhausmuseen, die alte, traditionelle Fachwerkbauten in ihrem Areal neu aufbauen lassen und die für die Öffentlichkeit zugänglich sind. So kann man die Häuser von innen und außen bestaunen und sich ein bisschen in die Zeit und das Jahrhundert versetzten lassen, in dem sie ursprünglich gebaut wurden. Außerdem gibt es sogar eine deutsche Fachwerkstraße. Hier können verschiedene Strecken zurückgelegt und alte Fachwerkhäuser bestaunt werden.