Friesenhaus

Das Friesenhaus: Der Eingangsbereich ist geprägt durch die breite Tür und den typischen Friesengiebel.
Der Eingangsbereich im Friesenhaus: Geprägt durch den hohen Friesengiebel wirkt es geräumig und einladend ©istockphoto.com/RelaxFoto.de

Das Friesenhaus: Nordische Tradition im Hier und Jetzt 

Das Rauschen des Meeres und Pfeifen der Möwen im Ohr, den Wind in den Haaren und ein altes Friesenhaus vor Augen – wenn das mal nicht Urlaub für alle Sinne ist. Mit nordischem Charme versteht es das Friesenhaus, so ziemlich alle in seinen Bann zu ziehen. Etwas robuster, rustikaler und zugleich so gemütlich. Das Hygge-Prinzip funktioniert hier ziemlich gut, so lässt es die Kulisse zumindest vermuten. 

Die Wurzeln und Geschichte des Friesenhauses 

Die Geschichte des nordischen Landhauses beginnt vor ungefähr 350 Jahren – im 17. Jahrhundert. Heutzutage ist uns dieser Haustyp als Friesenhaus bekannt, historisch richtig ist aber der Name „Uthlandfriesisches Haus“. Verbreitet war es vor allem in Schleswig-Holstein am Strand der Nordseeküste (an den nord- und ostfriesischen Küsten) und ist auch heute noch dort zu finden. Ursprünglich war es das Zuhause von Landwirten, die das stabile Dach über ihren Köpfen mit ihren Tieren teilten. Die Grundrisse waren damals so angelegt: Der Wohnbereich befand sich im Ostteil des Friesenhauses, während sich im Westteil die Stallungen befanden.

Besonders: Friesenhäuser wurden immer in Ost-West-Richtung gebaut. Wieso? Natürlich, um dem rauen Westwind nur eine minimale Angriffsfläche zu bieten. Einen Keller gab es meistens nicht, das Dachgeschoss wurde wiederum als Lager für Heu und Vorräte genutzt. Meistens wurde der großzügige Raum auf dem Grundstück dann noch für eine Terrasse genutzt.

Das Friesenhaus: Wie hier stehen meistens mehrere Friesenhäuser in einer Art Hof, umgeben von einem Teich und Bäumen.

Das Friesenhaus: Farbtupfer in der nordischen Idylle ©istockphoto.com/BMG_Borusse

Architektonische Besonderheiten des Friesenhauses 

Ein Friesenhaus besteht meist aus einem Erdgeschoss und Obergeschoss (also zwei Stockwerken) – ohne Keller. Am bekanntesten ist aber wahrscheinlich die Fassade: große Sprossenfenster, die sich nach historischem Vorbild nach außen öffnen, und robuster Klinker in klassischem Rot. Hinzu kommt der typische spitze, vorgebaute Zwerchgiebel über dem Eingangsbereich. Dieser sorgt für eine optische Querteilung. Zusätzlich praktisch: Es ist genügend Platz für eine große Diele und Treppe.

Original nordisch ist außerdem die Klönschnacktür: Bei dieser ist es möglich, nur den oberen Teil der Tür zu öffnen und den unteren geschlossen zu lassen – sozusagen eine halb aufklappbare Tür. Diese wurde früher zum Plausch (dem „klönen“) mit den Nachbarn genutzt, ohne dass Tiere währenddessen ins Haus gelangen konnten. Mehr zu Klöntüren lesen Sie auf der Seite der NDZ. Gemütlich wird es dann drinnen. Hier treffen meist weiß gestrichene Treppen auf charmante Dielenböden und werden mit einer offenen Küche und Kamin kombiniert.

Typisch nordische Bauweise: das Friesenhaus! 

Doch wie war (oder ist) die typische Bauweise, nach der die Friesenhäuser schon seit Jahrhunderten gebaut werden? Zuerst hängt die Bauweise immer von klimatischen Bedingungen und landschaftlichen Gegebenheiten ab. Die Hauptmaterialien sind aber Holz und Klinker (wird bei hohen Temperaturen aus Ton gebrannt) – denn diese sind sehr widerstandsfähig gegen Wind und Wetter.

Das Friesenhaus ist eine extrem robuste Konstruktion: Einst sollten sie die Bewohner selbst bei Stürmen und Überschwemmungen retten. Damit das gelang, wurde das Haus aus einer Zweiständerkonstruktion gebaut. Die zwei Ständer waren für die Statik des Hauses verantwortlich und trugen das Dach. Wurden dann bei Überschwemmungen die Wände des Hauses weggespült, konnten sich die Bewohner aufs Dach retten.

Das Friesenhaus: Der Eingangsbereich ist geprägt durch die breite Tür und den typischen Friesengiebel.

Der Eingangsbereich im Friesenhaus: Geprägt durch den hohen Friesengiebel wirkt es geräumig und einladend ©istockphoto.com/RelaxFoto.de

Apropos Dach: Beliebt bei Friesenhäusern sind das Walmdach, Zwerch- und Satteldach sowie ganz traditionell auch das Reetdach. Wichtig ist hierbei die richtige Dachdämmung. Typisch für das Friesenhaus ist der sogenannte Friesengiebel (eigentlich Zwerchgiebel). Dieser Giebel erhebt sich recht steil und spitz über der Eingangstür und wird auch Frontspieß genannt.

Je weiter man Richtung Wasser fährt, desto mehr Reetdächer bekommt man zu sehen. Der Giebel wird auch hier sehr spitz ausgelegt, damit sich kein Regenwasser im Dach ansammelt und das brennende Reet bei Feuer auf den Seiten des Giebels und nicht direkt vor die Eingangstür rutschte.  Somit blieb der Rettungsweg frei. Bei bautipps.de erfahren Sie mehr zum Thema Reetdach decken und pflegen. Aus Sicherheits- und Preisgründen wird heute daher mehr und mehr auf ein Walmdach oder Zwerch- und Satteldach mit Dachziegeln – überwiegend in Rottönen – gesetzt.

Nordisches Urlaubsfeeling für jeden Tag – mit einem eigenen Friesenhaus 

Sie haben sich nun schockverliebt in das Friesenhaus? Prinzipiell spricht nichts dagegen, diesen Haustyp auch in anderen Ecken Deutschlands zu bauen. Das Friesenhaus kann sowohl als Massivhaus als auch als Fertighaus gebaut werden. Allerdings ist dieser Haustyp regional orientiert und macht sich je nach Wetter- und Witterungsbedingungen nicht allzu gut in anderen Regionen. Wie wäre es da lieber mit Urlaub pur in einem richtigen Friesen- Ferienhaus mit Blick aufs Meer?