Wohnen im Seecontainer – auch als Dauerlösung realisierbar?

Seecontainer/Wohncontainer - Ein Wohncontainer hängt am Kran

Wohnen im Seecontainer © istock/peshkov

In Zeiten von Wohnungsnot und immer teurerem Wohnraum machen sich viele Gedanken, wie Alternativen aussehen können. Die einen nisten sich auf dem Wasser in einem Hausboot ein, andere wohnen auf dem Campingplatz oder in der Gartenlaube. Einige richten sich einen alten Bauwagen her, andere entschließen sich zu Wohnungssharing oder geben ihren Hausstand gleich ganz auf und leben wie die Nomaden mal hier und mal dort, wie und wo es sich gerade anbietet.
Auch Wohncontainer sind ein Thema, wenn es um alternative Wohnmodelle geht. Das Phänomen ist nicht neu; schon vor Jahrzehnten wurden Container eingesetzt, wenn es darum ging, kurzfristig Wohnraum zur Verfügung stellen zu müssen, und auch heute werden Wohncontainer zum Beispiel als Flüchtlingsunterkünfte eingesetzt. Doch kann auch der normale Privatbürger im Seecontainer wohnen?

Seecontainer sind Transport- und Lagercontainer

Grundsätzlich haben Seecontainer natürlich eine andere Bestimmung, als dass Menschen in ihnen wohnen. Konzipiert sind sie zum Transport von Waren und – diesen Zweck unterschätzen viele – als Lagerraum. Ohne Seecontainer würde es den derzeitigen globalen Güter- und Warenaustausch nicht geben, denn weit mehr als die Hälfte aller transportierten Güter werden in Containern von A nach B gebracht, und zwar überwiegend auf dem Seeweg. Und auch in ihrer Funktion als Lager sind Seecontainer unverzichtbar, denn was in den großen Container Terminals dieser Welt umgeschlagen wird, landet in den seltensten Fällen unmittelbar auf dem LKW oder dem Güterzug, sondern muss fast immer zwischengelagert werden.

Warum eignen sich Seecontainer zum Wohnen?

Der „reine“ Seecontainer ist per se noch längst kein Wohncontainer, aber er bringt gute Voraussetzungen mit, als Behausung des Menschen zu taugen. Warum? Da ist zunächst einmal das Material: Seecontainer sind aus Stahl gefertigt, also quasi unkaputtbar. Witterungseinflüsse wie Niederschläge und starke Stürme können ihnen so schnell nichts anhaben. Und während sich ein normales Haus eher schlecht für eine Versetzung an eine andere Location eignet, ist ein Seecontainer – die richtigen Transportmittel vorausgesetzt – quasi prädestiniert für einen Standortwechsel. Nicht zuletzt der Preis kann die Überlegung fördern, zu einem Wohncontainer-Bewohner zu werden. Was für einen Seecontainer inklusive Umbau etc. anfällt, ist zwar von der Ausstattung abhängig – in jedem Fall wird ein Haus mit demselben Komfort ein Vielfaches an Kosten bedeuten.

Was ist zu beachten, wenn man im Seecontainer wohnen möchte?

Wer das Abenteuer, in einem Seecontainer zu wohnen, in Angriff nehmen möchte,  sollte vorab einiges bedenken bzw. beachten:
Erstens ist es nicht ohne weiteres erlaubt, überall einen Container aufzustellen – und zu bewohnen. Hierfür ist eine Genehmigung vonnöten, die beim Bauordnungsamt einzuholen ist. Ferner ist es natürlich mit dem Aufstellen des Containers längst nicht getan, denn was ist mit Fragen wie Brandschutz, Hygiene, Heizung, Belüftung, Wasserversorgung, Abwasser generell etc. Und auch die Beschaffenheit des Bodens spielt eine Rolle, denn ein 40 Fuß-Seecontainer bringt mal eben ein Leergewicht von über 3 Tonnen mit. Wer da nicht mit einem guten Fundament ausgestattet ist, wundert sich nach zwei Wochen Regen darüber, dass er plötzlich im Souterrain wohnt.
Zweitens kann die Behörde einer dauerhaften Nutzung des Containers skeptisch gegenüberstehen; wer dagegen nur temporär in einem umgebauten Seecontainer wohnen will, hat bessere Karten für eine Genehmigung. In vielen Gemeinden ist auch das bauliche Ortsbild von Bedeutung. Ein Wohncontainer, der permanent diese Bild trübt, wird gegebenenfalls verboten.
Drittens sind natürlich die baulichen Maßnahmen von Bedeutung. Was muss getan werden, um in dem Seecontainer wohnen zu können? Es müssen Türen, Fenster, Klappen, Trennwände eingebaut werden, Strom und Wasser werden benötigt, der Wohnraum muss hinreichend isoliert werden, eventuell besteht Bedarf an einem zusätzlichen Toilettencontainer mit Wasch- und Duschbereich etc.

Alternativen zum Wohncontainer „von der Stange“

Abseits des herkömmlichen Seecontainers gibt es interessante Container-Varianten, die sich Dank ungewöhnlicher Bauweise für den Umbau zum Wohncontainer eignen, wie sie die Firma Braun Container bei Hamburg anbietet. Dies sind

  • Open-Top Container: Wie der Name schon verrät, sind diese Container nicht mit einem festen Dach ausgestattet, sondern mit einer abnehmbaren Plane. Bietet sich zum Beispiel an, wenn man vorhat, eine Art Wintergarten zu gestalten.
  • Hard-Top Container: Diese sind mit einem abnehmbaren Stahldach ausgerüstet. Hier kann zum Beispiel eine (schräge) Zwischenverglasung eingezogen und damit die Höhe der Behausung variiert werden.
  • Double-Door Container: Sie haben auf beiden Seiten Doppeltüren. So kann man sowohl von der Straße als auch von der Terrasse aus seinen Wohncontainer betreten.

Wer also erwägt, dauerhaft in einem Seecontainer zu wohnen, hat viele Möglichkeiten der Gestaltung, aber auch viele Eventualitäten und Problemstellungen zu erörtern.

Übrigens: Der Seecontainer ist der gebräuchlichste und häufigste in der Container-Familie. Er wird auch gern als Standardcontainer, Lagercontainer, Baucontainer oder Materialcontainer bezeichnet. Das stiftet bei manchem Verwirrung, denn üblicherweise ist immer der gleiche Container gemeint: der Seecontainer.